Haltung
In der Haltung eines Menschen kann man vieles ablesen.
Nicht nur der erfahrene Menschenkenner oder der Arzt sind im Lesen
der Körperhaltung geschult. Jeder Mensch kommuniziert quasi mit
seinem Körper und übermittelt an die anderen Menschen ständig
Informationen. Dabei wurde kein einziges Wort gesprochen.
Ein Mensch, der kraftvollen Schrittes am Morgen zur
Bushaltestelle schreitet und dabei mit seinen Armen Schwung holt und
in den Füßen Federn zu haben scheint, während er die Blicke mitsamt
dem Kopf optimistisch selbstbewusst in ale Richtungen wendet, wird
wohl an seine Zeitgenossen die Message senden: Seht her, ich habe
gute Laune, ich möchte von Euch schon bevor ich heute zur Arbeit
komme angesprochen werden und rede gerne ein paar Sätze mit
Euch.
Ein Kind, daß langsam und mit gesenktem Haupt die
Straße entlanggeht, den Ranzen schief, der Rücken gebeugt, der Gang
kraftlos und stolprig, die Augen in eine Richtung starrend, wird
allen die Mitteilung machen: Laßt mich in Ruhe und sprecht mich ja
nicht an, denn es geht mir schlecht.
Gebeugt oder aufrecht, schnell oder langsam, krumm
oder gerade, hinkend oder nicht... das menschliche Auge registriert
stets auch diese Details und macht sich unterbewusst einen Reim
darauf.
Haltung und
Krankheit
Welche Haltung macht krank? Ein Bergarbeiter, der
geduckt in einem Steinkohlestollen mit Hammer und Meißel
Schwerstarbeit verrichtet, hat eine schlechte Haltung und diese
macht ihn krank. Davon geht wahrscheinlich jeder aus.
Wenn wir lange zum Sitzen gezwungen sind, bekommen wir
Schmerzen im Rücken. Macht Sitzen krank? Die Wissenschaftler sind
sich einig, der menschliche Rücken ist nicht zum Sitzen gemacht.
Was macht uns beim Sitzen so krank? Wahrscheinlich ist
es vor allem der Mangel an Bewegung, der fast immer mit dem Sitzen
verbunden ist.
Die Wirbelsäule sind aneinandergereihte Wirbelkörper.
Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich elastische Puffer, die
Bandscheiben. Die Bandscheibe ist also eine Scheibe. In der Mitte
hat die Scheibe einen weichen Kern. Der Außenrand der Scheibe ist
derb und fest. Wenn die Wirbelsäule normal belastet wird, bleibt das
System ganz und der Mensch ist gesund. Selbst an Tagen, an denen der
Mensch seinen Rücken überbelastet treten keine Schäden auf.
Wenn der Mensch zum Beispiel einen schweren
Getränkekasten mit vornübergebeugtem Rücken aus dem Auto hebt,
dann ist einmal die Hebellast im Rücken unnötig groß und die
Pufferzone zwischen den Wirbelkörpern wird da belastet, wo sie
eigentlich nicht dafür gemacht ist – am Rand. Der derbe und sonst so
widerstandsfähige Rand der Bandscheibe wird in so einem Moment an
einer schwachen Stelle Stück für Stück zerquetscht. Wenn der Rand
der Bandscheibe nicht komplett intakt ist, tritt der Inhalt der
Scheibe aus der Mitte bei Belastung der Wirbelsäule hervor.
Bandscheibenmaterial fällt aus dem inneren der Bandscheibe hervor.
Ein Bandscheibenvorfall entsteht. Wenn Bandscheibenmasse aus der
Bandscheibe tritt, wie Eigelb aus dem Ei
oder besser ausgedrückt wie die
Zahncreme aus einer Tube gepresst sucht sich
die weiche Bandscheibenmasse aus dem Kern Platz im Gewebe. Das
Gewebe um die Wirbelsäule herum ist eng und enthält
viele Nerven. Um die Lendenwirbelsäule und um
das Kreuzbein herum befindet sich ein feines Geflecht von
Nerven. Wenn nun die kaputte Bandscheibe (meist geht zunächst die Bandscheibe zwischen
dem fünften Lendenwirbelkörper und dem ersten Kreuzbeinkörper kaputt)
ihren weichen Kern freilässt, muß der weiche Kern irgendwo
hin. Meistens wird die Bandscheibenmasse des Bandscheibenkernes unter der Last des Körpergewichtes
rückwärts in Richtung Nervenkanal gepresst. Der
Nervenkanal ist eine Röhre, welche vom Knochen der Wirbelkörper umgeben ist
und Nerven auf ihrem Weg vom Gehirn bis hin zum
Steißbein schützt. Zusätzlich gibt das Nervenbündel im Nervenkanal zwischen
jedem Wirbelkörper mehrere Nerven in das umliegende Gewebe ab. Diese Nerven und die Nerven
im Nervenkanal sind sehr oft vom Bandscheibenvorfall eingeengt. Eingeengte Nerven können Schmerzen
verursachen.
Diese eingeengten Nerven sind es, die uns weh tun. Der
Schmerz liegt meistens im unteren Rücken, auf einer Seite des
Kreuzbeines und der Lendenwirbelsäule und ziehen hinten über das
Gesäß. Oft tut es bis in die Beine weh. Der Schmerz zieht dann am
hinteren Oberschenkel herunter bis in die Knie oder sogar bis zu den
Knöcheln.
Wenn man also in falscher Haltung hebt, kommt es zu
Schäden am Rücken. Man kann sagen, der Rücken und die Wirbelsäule
altern bei schlechter Haltung vor. Die vorgealterte Wirbelsäule
neigt schneller und bei geringeren Belastungen zu
Schmerzen.
Nicht nur Überlastung und falsche Haltung beim Heben,
auch Bewegungsmangel macht den Rücken kaputt. Oft sind es schlanke
junge Frauen, die tagsüber konzentriert und fast regungslos an Aufgaben
am Computer arbeiten. Menschen mit Arbeit im Auto, die also
zum Beispiel viele Stunden zu ihren Kunden im Auto unterwegs sind.
All diese Menschen bekommen gerne und viel zu früh oft
heftigste Rückenschmerzen. Warum? Weil der gesunde Rücken Bewegung
braucht.
Warum?
Die Wirbelsäule besteht aus 5 Lendenwirbeln,
12 Brustwirbeln und 7 Halswirbeln. Jeder Wirbel ist mit seinem
Nachbarn beweglich durch je zwei Gelenke verbunden.
Di
e Gelenke sind klein und sind wie alle Körpergelenke
mit Knorpel überzogen und durch eine Gelenkkapsel geschützt. Diese kleinen
Wirbelgelenke möchten beschäftigt werden. Wenn die Wirbel nicht
in ihren Gelenken bewegt werden, droht zunächst eine schmerzhafte Blockierung. Blockierungen
sind Erkrankungen der Gelenke, nicht nur der Gelenke der Wirbelsäule.
Bei einer Blockierung geht im Gelenk nichts mehr. Es bewegt sich
kein Stück. Das Gelenk erscheint verklebt oder festgefahren. Eigentlich gibt es
aber keinen Hinweis auf einen Schaden im Gelenk
bei Gelenkblockierungen. Man kann sich sein blockiertes Gelenk beim
Orthopäden wieder freimachen lassen.
Oft knackt es bei der Chirotherapie oder der manuellen
Therapie und beim Patienten stellt sich ein gutes Gefühlein. Die
Spannung im Rücken ist weg und der Schmerz auch, die Beweglichkeit
ist wieder voll hergestellt. Häufig kann sich ein Gelenk auch im
Alltag wieder selber deblockieren. Viele Menschen beherrschen auch
selber einige Chirotherapie-Griffe und lassen im zum Beispiel im
Halsbereich das erleichternde Knacken hörbar werden.
Was passiert, wenn man zum Beispiel in der
Lendenwirbelsäule eine Blockierung hat und es dabei belässt. Was
passiert dann. Was kommt nach der Blockierung? Wenn die
Gelenkblockierung nicht behandelt wird oder selber wieder mobil
wird, dann kann sich eine Gelenkentzündung herausbilden. Eine
Gelenkentzündung in der Wirbelsäule kann sich auch bei Arthrose also
Abnützung der Gelenke bilden (Spondylarthrose).