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Allgemeine Komplikationen orthopädischer Operationen
Bei jeder Operation erfolgt im Vorfeld eine
sorgfältige Vorbereitung. Dabei spielt das Aufklärungsgespräch
des Patienten mit dem Operateur eine hervorragende Rolle. Nicht nur
der orthopädische Chirurg (Operateur), sondern auch der Patient muss
über die anstehende Operation in vollem Umfang Bescheid wissen.
Allerdings werden selbst heutzutage noch viele Patienten über die
Operation nur sehr flüchtig aufgeklärt. Oft fehlt es an Zeit, so
dass sich mancher Patient nicht vollständig über den Eingriff
aufgeklärt fühlt.
Das wesentlich Wissenswerte an den meisten
Operationen ist allerdings auch für den Laien sehr gut
verständlich.
Erfahrende Chirurgen berichten in Auswertung
ihres Schaffens davon, dass ein aufgeklärter Patient wesentlich
bessere Heilungschancen hat, als derjenige Patient, der sich für
seine gesundheitliche Situation nur gering oder gar nicht
interessiert.
Der Chirurg klärt den Patienten vor der
Operation über den gesamten Verlauf der Behandlung auf. Er
geht bei dem Aufklärungsgespräch genau auf die Vorbereitung der OP,
auf das Verfahren während der Operation (incl. auf Erweiterung
oder Minimierung des Eingriffes) und die Nachbehandlung nach der
Operation ein. Der Patient sollte sich auf dieses Gespräch vor einer
Wahloperation (Operation mit minderer Dringlichkeit) gut vorbereiten
und sich konkrete Fragen an den Operateur eventuell im Vorfeld
notieren und diese dann im Gespräch stellen.
Auch nach dem
Aufklärungsgespräch bis zur Operation ist es noch möglich, dem
Operateur Fragen zu stellen. Bitten Sie nötigenfalls einfach um ein
zweites Gespräch!
Das Besprechen des Risikos für
Komplikationen ist ein wichtiger Bestandteil des
Aufklärungsgespräches. Hierbei soll der Patient keinesfalls durch
die Informationen des Operateurs irritiert werden. Vielmehr muss der
Operateur den Patienten mit den möglichen Komplikationen eines
Eingriffes auseinandersetzen. Der Gesetzgeber schreibt dies
dem Arzt vor. Dem Patienten eröffnet sich die Möglichkeit, sich noch
besser zu informieren. Die Risiken bei Wahleingriffen sind
heutzutage gering. Die meisten Komplikationen bei Operationen sind
gut behandelbar. Im Falle einer Komplikation ist es für den
Patienten wichtig, vorher über die Behandlung einer eventuellen
Komplikation wenigstens grob Bescheid zu wissen.
Bei jeder
Operation besteht sie Möglichkeit, dass sog. Komplikationen
eintreten. Jeder Operateur wird alles dafür tun, dieses Risiko so
gering wie möglich zu halten.
Aber auch der Zustand des
Patienten (Begleiterkrankungen oder schädliche Verhaltensweisen, wie
Rauchen und Unsportlichkeit) können das Risiko für das Auftreten von
Komplikationen beeinflussen. Der Operateur wird dem Patienten gerne
Hinweise dafür geben, wie er durch sein eigenes Verhalten vor der
Operation und vor allem nach der Operation für das gute Gelingen und
gegen das Auftreten von Komplikationen Sorge tragen
kann.
Welche Komplikationen sind
gemeint?
Als allgemeine Komplikationen werden
diese bezeichnet, die bei fast jeder
Operation eintreten können. Die häufigsten und wichtigsten allgemeinen Komplikationen sind:
-
Wundheilungsstörungen:
Als Wundheilungsstörungen werden Störungen des sog.
primären Wundverschlusses / Wundheilung bezeichnet. Die Wundränder
heilen nicht wie vorgesehen glatt aneinander. Die Dauer der
Wundheilung ist verlängert. Der Heilverlauf ist gestört. Die Wunde
bedarf länger die Behandlung und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen
(u. a. Verbandswechsel, besondere Sauberkeit, ggf. Schonung und
regelmäßige Kontrolle durch den Arzt) als geplant.
- Wundinfektionen:
Mit Wundinfektionen sind
Entzündungen gemeint, meist aufgrund einer Infektion der Wunde mit
einfachen Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken). Diese Bakterien
gehören eigentlich zu unserer gesunden Hautflora und können nach
einer Operation im Wundgebiet schädlich werden. Wenn bei dem
betroffenen Patienten z.B. Begleiterkrankungen vorliegen, sind in
seltenen Fällen auch schwere Infektionen mit schwer behandelbaren
oder mit sog. multiresistenten Bakterien möglich. Die
multiresistenten Keime sind gegen die meisten Antibiotika der
modernen Medizin resistent und deshalb sehr gefährlich. Bei
Infektionen der Operationswunde können Bakterien auch benachbarte
Organe infizieren. Zum Beispiel kann die sog. Osteomyelitis
(Knochenentzündung) auftreten. Hierbei ist es oft erforderlich
mehrere Operationen hintereinander durchzuführen (z.B. sog.
Etappenlavage: bei manchmal täglichen Operationen reinigt der
Operateur große Wundareale mit einer speziellen Spüllosung und legt
ggf. Antibiotikum getränkte Ketten- in die Wunde ein, um die
Keimzahl zu reduzieren). Noch viel seltener ist eine sog.
Sepsis. Von Sepsis, auch Blutvergiftung genannt, spricht man, wenn
sich die Infektion mit Bakterien von der Wunde über das Blut auf
andere Organe des Menschen weiterverbreitet. Diese Krankheit bedarf
meist intensiver Krankenhausbehandlung. In solchen seltenen Fällen
besteht u. U. Lebensgefahr.
- Verletzung
benachbarter Strukturen:
Hiermit sind vor allem Nerven- Sehnen- oder
Gefäßverletzungen gemeint. Trotz des hohen Standards in der
Ausbildung der orthopädischen Chirurgen kann es besonders bei
schwierigen Operationenverhältnissen oder in kritischen Phasen der
Operation zu ungewollten Verletzungen von Körperstrukturen kommen.
Dies ist glücklicherweise besonders selten.
Aus den Verletzungen
können Folgeerscheinungen hervorgehen.
Zum Beispiel kann die
Schädigung eines Nervens, der für die Gefühlsweiterleitung eines
Zeigefingers zuständig ist, mit dem Ausfall der Gefühlseigenschaft
oder mit der Beeinträchtigung dieser Gefühlseigenschaft verbunden
sein. Dies kann bei dem betroffenen Patienten zu einem
Taubheitsgefühl oder zu Kribbeln der Haut im kleinen Finger führen.
Ein Nerv, der zerschnitten wurde, kann nur sehr selten seine
Funktion wieder aufnehmen. Wenn ein Nerv während der Operation
gequetscht, verdrängt oder auf anderem Wege mechanisch gering
beschädigt wurde, kann er seine normale Funktion u. U. von selbst
wieder erlangen. Die Durchtrennung größerer Nerven wird in der Regel
noch während der Operation durch eine Nervennaht behandelt. Bei der
Durchtrennung von Muskeln und Sehnen können im Fall der
Früherkennung noch während der Operation Gegenmaßnahmen (Naht)
ergriffen werden. Beim Verletzen eines Gefäßes sind Einblutungen in
das Gewebe möglich (Hämatome), größere Hämatome müssen früh erkannt
werden und benötigen Behandlung, da ein hohes Risiko zur Infektion
eines Hämatomes besteht.
- Thrombose:
Als Thrombose bezeichnet man die Bildung eines Blutgerinnsels in den
tief liegenden Venen vor allem der Beine und der Arme (Venen
sind Adern, die Blut zum Herzen führen). Am häufigsten kommen
Thrombosen in den Unterschenkeln vor. Begünstigt wird das Auftreten
von Thrombosen durch jegliche Form von Operationen. Grund hierfür
ist der „Tatbestand der Immobilisation, d. h. weniger
Körperaktivität begünstigt das Entstehen von Thrombosen.
Insbesondere das Gehen und Laufen ist nach einer Operation meist nur
eingeschränkt möglich. Unsere normale Körperaktivität ("die normalen
Gänge im Alltag") hat einen positiven Effekt auf das Strömen des
Blutes in unseren Adern. Dieser positive Effekt ist also durch die
geringe Mobilität bei und v. a. nach jeder Operation gehemmt. In der
Regel muss der Patient während der Operation und nach der Operation
in einem Bett liegen, so dass der Blutfluss in den Adern langsamer
wird. Es kann passieren, dass in den Unterschenkelvenen feste
Bestandteile des Blutes an der Innenwand der Vene kleben bleiben und
die Vene verengen. Die enge Stelle wird als Thrombus bezeichnet.
Eine Thrombose ist entstanden. Sie kann den betroffenen
Unterschenkel durch Schwellung und weitere Folgezustände sehr stark
und sogar auf Dauer schädigen. Lebensbedrohlich ist jedoch die
Folgekrankheit der Thrombose:
-
die Lungenembolie: Hierbei löst sich das
Gerinnsel (der Thrombus) von der Venenwand und wird entlang der
Venen im Blut in Richtung Herz geschwemmt und verstopft schließlich
lebenswichtige Lungengefäße. Lungenembolien können zum Tode führen,
können aber auch völlig unbemerkt ablaufen. Bei der Planung einer
jeden Operation sind Maßnahmen gegen Thrombose von absoluter
Wichtigkeit. Nicht jeder Patient erhält Blutverdünnungsmittel
(Heparin, z. B. als Spritze unter die Haut in die Bauchdecke), bei
vielen Patienten ist eine sog. Frühmobilisation und das Tragen von
Kompressionsstrümpfen für die Beine ausreichend.
- Tod. Über den Tod wird nicht gern geredet. So
spielt er auch bei den Aufklärungsgesprächen selten eine Rolle. In
der Regel treten Komplikationen nur sehr selten auf und
lebensgefährliche Komplikationen fast gar nicht. Auch ist die
Behandlung von schweren Komplikationen in Deutschland mit seinen
modernen Krankenhäusern nahezu optimal.
- Tod. Über den Tod
wird nicht gern geredet. So spielt er auch bei den
Aufklärungsgesprächen selten eine Rolle. In der Regel treten
Komplikationen nur sehr selten auf und lebensgefährliche
Komplikationen fast gar nicht. Auch ist die Behandlung von schweren
Komplikationen in Deutschland mit seinen modernen Krankenhäusern
nahezu optimal. Das Risko einer Operation ist Sache von Patient uns
Operateur. Beide gleichen Dringlichkeit, Nutzen und Risiken
vor dem Eingriff genau ab und entscheiden über das Vorgehen. Dabei
sollten Offenheit und Ehrlichkeit die Basis für das
erfolgversprechende Vertrauensverhältnis sein.
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