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Laufen, Liegen, Körperhaltung

Der Rücken liebt die Vielfalt. Er ruft seinem Besitzer zu: Bewege mich!

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Haltung bewahren.


Der Haltung wird im Allgemeinen eine ganz besondere Bedeutung zugeschrieben. Bei jeder Tätigkeit scheint jemand in unserem Kopf den Finger zu heben und zu sagen: korrigiere Deine Haltung so oder so.

Ein Schulkind sollte seine Schultasche nie in die Hand nehmen, es würde seinen Rücken krumm werden lassen. Es sollte die Riemen vom Ranzen nicht zu straff einstellen, dann würde eine Neigung zum Rundrücken bekannt sein. Oder sind die Riemen zu locker, würde das Hohlkreuz provoziert. Der Inhalt der Schultasche solle möglichst gleichmäßig und symmetrisch eingepackt werden. Der Ranzen müsse dementsprechend einer Norm (DIN-Deutsche Industrienorm) entsprechen und das entspricht gleich einem horenden Preis beim Ranzenerwerb.

Beim Essen ermahnt die Mutter mild und der Vater streng den Sohn: "...sitze er gerade am Tisch..." und er solle gerade zum Händewaschen gehen. Am Schreibtisch wenn er seine Hausaufgaben macht, ist ebenfalls alles auf seine Ansprüche zugeschnitten. Normgerecht hatten seine Eltern die Sitz- und Schreibhöhe beim Kauf ausgewählt.

Man könnte warscheinlich ein ganzes Buch mit Anekdoten über altbackene Haltungserlebnisse füllen. Jedoch gibt uns die Moderne wieder neue Herausforderungen, Regeln festzulegen. Fragen kommen auf. Die Antwort kennt der Volksmund noch nicht.

Was passiert mit Kindern, die jeden Tag über vier - fünf Stunden am Computer, Fernsehgerät oder Gameboy o. ä. hängen?

Wirkt sich Bewegungsmangel sozial, psychisch oder physisch negativ auf unsere Kinder aus?

Ist es nötig, daß Kinder noch einen Purzelbaum können, müssen sie auf einem Beinstehen könnenoder gar Gummihopse spielen lernen?

Sind für Groß und Klein lange sitzende Tätigkeiten gut oder schlecht?

Ist langes Sitzen im Beruf eine Risikofaktor für das Auftreten von Rückenschmerzen?

Sitzen ist schlecht. Die orthropädische Wissenschaft ist sich dahingehen einig, daß unser Rücken für das Sitzen nicht gemacht ist. Berufe, die mit langen Autofahrten oder stundenlangem Verharren vor einem Bildschirm verbunden sind, schädigen unter Umständen die Gesundheit und verursachen möglicherweise Rückenschmerzen, Bandscheibenschäden und Abnutzung der Wirbelsäule.

Haltung

In der Haltung eines Menschen kann man vieles ablesen. Nicht nur der erfahrene Menschenkenner oder der Arzt sind im Lesen der Körperhaltung geschult. Jeder Mensch kommuniziert quasi mit seinem Körper und übermittelt an die anderen Menschen ständig Informationen. Dabei wurde kein einziges Wort gesprochen.

Ein Mensch, der kraftvollen Schrittes am Morgen zur Bushaltestelle schreitet und dabei mit seinen Armen Schwung holt und in den Füßen Federn zu haben scheint, während er die Blicke mitsamt dem Kopf optimistisch selbstbewusst in ale Richtungen wendet, wird wohl an seine Zeitgenossen die Message senden: Seht her, ich habe gute Laune, ich möchte von Euch schon bevor ich heute zur Arbeit komme angesprochen werden und rede gerne ein paar Sätze mit Euch.

 

Ein Kind, daß langsam und mit gesenktem Haupt die Straße entlanggeht, den Ranzen schief, der Rücken gebeugt, der Gang kraftlos und stolprig, die Augen in eine Richtung starrend, wird allen die Mitteilung machen: Laßt mich in Ruhe und sprecht mich ja nicht an, denn es geht mir schlecht.

Gebeugt oder aufrecht, schnell oder langsam, krumm oder gerade, hinkend oder nicht... das menschliche Auge registriert stets auch diese Details und macht sich unterbewusst einen Reim darauf.

 

 

Haltung und Krankheit

Welche Haltung macht krank? Ein Bergarbeiter, der geduckt in einem Steinkohlestollen mit Hammer und Meißel Schwerstarbeit verrichtet, hat eine schlechte Haltung und diese macht ihn krank. Davon geht wahrscheinlich jeder aus.

 

Wenn wir lange zum Sitzen gezwungen sind, bekommen wir Schmerzen im Rücken. Macht Sitzen krank? Die Wissenschaftler sind sich einig, der menschliche Rücken ist nicht zum Sitzen gemacht.

Was macht uns beim Sitzen so krank? Wahrscheinlich ist es vor allem der Mangel an Bewegung, der fast immer mit dem Sitzen verbunden ist.

 

Die Wirbelsäule sind aneinandergereihte Wirbelkörper. Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich elastische Puffer, die Bandscheiben. Die Bandscheibe ist also eine Scheibe. In der Mitte hat die Scheibe einen weichen Kern. Der Außenrand der Scheibe ist derb und fest. Wenn die Wirbelsäule normal belastet wird, bleibt das System ganz und der Mensch ist gesund. Selbst an Tagen, an denen der Mensch seinen Rücken überbelastet treten keine Schäden auf.

 

Wenn der Mensch zum Beispiel einen schweren Getränkekasten mit vornübergebeugtem  Rücken aus dem Auto hebt, dann ist einmal die Hebellast im Rücken unnötig groß und die Pufferzone zwischen den Wirbelkörpern wird da belastet, wo sie eigentlich nicht dafür gemacht ist – am Rand. Der derbe und sonst so widerstandsfähige Rand der Bandscheibe wird in so einem Moment an einer schwachen Stelle Stück für Stück zerquetscht. Wenn der Rand der Bandscheibe nicht komplett intakt ist, tritt der Inhalt der Scheibe aus der Mitte bei Belastung der Wirbelsäule hervor. Bandscheibenmaterial fällt aus dem inneren der Bandscheibe hervor. Ein Bandscheibenvorfall entsteht. Wenn Bandscheibenmasse aus der Bandscheibe tritt, wie Eigelb aus dem Ei  oder besser ausgedrückt wie die Zahncreme aus einer Tube gepresst sucht sich die weiche Bandscheibenmasse aus dem Kern Platz im Gewebe.

 

Das Gewebe um die Wirbelsäule herum ist eng und enthält viele Nerven. Um die Lendenwirbelsäule und um das Kreuzbein herum befindet sich ein feines Geflecht von Nerven. Wenn nun die kaputte Bandscheibe (meist geht zunächst die Bandscheibe zwischen dem fünften Lendenwirbelkörper und dem ersten Kreuzbeinkörper kaputt) ihren weichen Kern freilässt, muß der weiche Kern irgendwo hin. Meistens wird die Bandscheibenmasse des Bandscheibenkernes unter der Last des Körpergewichtes rückwärts in Richtung Nervenkanal gepresst. Der Nervenkanal ist eine Röhre, welche vom Knochen der Wirbelkörper umgeben ist und Nerven auf ihrem Weg vom Gehirn bis hin zum Steißbein schützt. Zusätzlich gibt das Nervenbündel im Nervenkanal zwischen jedem Wirbelkörper mehrere Nerven in das umliegende Gewebe ab. Diese Nerven und die Nerven im Nervenkanal sind sehr oft vom Bandscheibenvorfall eingeengt. Eingeengte Nerven können Schmerzen verursachen.

 

Diese eingeengten Nerven sind es, die uns weh tun. Der Schmerz liegt meistens im unteren Rücken, auf einer Seite des Kreuzbeines und der Lendenwirbelsäule und ziehen hinten über das Gesäß. Oft tut es bis in die Beine weh. Der Schmerz zieht dann am hinteren Oberschenkel herunter bis in die Knie oder sogar bis zu den Knöcheln.

 

Wenn man also in falscher Haltung hebt, kommt es zu Schäden am Rücken. Man kann sagen, der Rücken und die Wirbelsäule altern bei schlechter Haltung vor. Die  vorgealterte Wirbelsäule neigt schneller und bei geringeren Belastungen zu Schmerzen.

 

Nicht nur Überlastung und falsche Haltung beim Heben, auch Bewegungsmangel macht den Rücken kaputt. Oft sind es schlanke junge Frauen, die tagsüber konzentriert und fast  regungslos an Aufgaben am Computer arbeiten. Menschen mit Arbeit im Auto, die also zum Beispiel viele Stunden zu ihren Kunden im Auto unterwegs sind. All diese Menschen bekommen gerne und viel zu früh oft heftigste Rückenschmerzen. Warum? Weil der gesunde Rücken Bewegung braucht.

 

Warum?

Die Wirbelsäule besteht aus 5 Lendenwirbeln, 12 Brustwirbeln und 7 Halswirbeln. Jeder Wirbel ist mit seinem Nachbarn beweglich durch je zwei Gelenke verbunden.

 

Die Gelenke sind klein und sind wie alle Körpergelenke mit Knorpel überzogen und durch eine Gelenkkapsel geschützt. Diese kleinen Wirbelgelenke möchten beschäftigt werden. Wenn die Wirbel nicht in ihren Gelenken bewegt werden, droht zunächst eine schmerzhafte Blockierung. Blockierungen sind Erkrankungen der Gelenke, nicht nur der Gelenke der Wirbelsäule. Bei einer Blockierung geht im Gelenk nichts mehr. Es bewegt sich kein Stück. Das Gelenk erscheint verklebt oder festgefahren. Eigentlich gibt es aber keinen Hinweis auf einen Schaden im Gelenk bei Gelenkblockierungen. Man kann sich sein blockiertes Gelenk beim Orthopäden wieder freimachen lassen. Oft knackt es bei der Chirotherapie oder der manuellen Therapie und beim Patienten stellt sich ein gutes Gefühlein. Die Spannung im Rücken ist weg und der Schmerz auch, die Beweglichkeit ist wieder voll hergestellt. Häufig kann sich ein Gelenk auch im Alltag wieder selber deblockieren. Viele Menschen beherrschen auch selber einige Chirotherapie-Griffe und lassen im zum Beispiel im Halsbereich das erleichternde Knacken hörbar werden.

 

Was passiert, wenn man zum Beispiel in der Lendenwirbelsäule eine Blockierung hat und es dabei belässt. Was passiert dann. Was kommt nach der Blockierung? Wenn die Gelenkblockierung nicht behandelt wird oder selber wieder mobil wird, dann kann sich eine Gelenkentzündung herausbilden. Eine Gelenkentzündung in der Wirbelsäule kann sich auch bei Arthrose also Abnützung der Gelenke bilden (Spondylarthrose).

 

 

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